Überspringen
Expert interview Hitachi ABB Power Grids
Zurück

Rainer Schröder

Experteninterview Hitachi ABB Power Grids

Auf der PCIM Europe 2023 wird es erneut einen Länderfokus geben: die Vereinigten Staaten von Amerika. Aus diesem Anlass haben wir unsere langjährigen Aussteller mit Geschäftstätigkeit in den USA nach Ihrer Einschätzung zum US-amerikanischen Markt, vor allem im Hinblick auf die Leistungselektronik-Branche, gefragt.

  1. Aus welchen Gründen haben Sie die Entscheidung für einen Standort in den USA getroffen?
    Schon in den neunziger Jahren war ABB Semiconductors mit einer eigenen Niederlassung in den USA vertreten, um den großen amerikanischen Markt so gut wie möglich zu betreuen. Wichtig waren damals wie heute die Nähe zum Kunden und die lokale Kundenunterstützung.
  2. Welche Bedeutung hat die USA als Absatz- und Vertriebsmarkt für Ihr Unternehmen in Europa?
    Die USA sind nach Europa und China der drittgrößte Markt für uns. In den letzten Jahren wurden viele Lösungen in den USA entwickelt und dann in China gefertigt. Das ändert sich in den letzten Jahren aufgrund politischer Faktoren, sodass die USA im Laufe der Zeit auch als Produktionsstandort wieder wichtiger werden.
  3. In welchen Branchen ist der US-Markt in Ihren Augen in den letzten Jahren vor allem führend?
    Vor allem der IT Sektor hat direkt oder indirekt in den letzten Jahren sehr viel zu unserem Umsatz beigetragen. Unsere Kunden waren im Bereich der Spanungsversorgungen für Serverfarmen aktiv. Der Öl & Gas Sektor war in der jüngeren Vergangenheit auch sehr stark. Allerdings ist der durch die gesunkenen Ölpreise und den Stopp der Fracking-Aktivitäten zum Erliegen gekommen. In der Zukunft wird E-Mobilität sicher eine größere Rolle spielen.
  4. Welche Produkte der USA aus dem Bereich der Leistungselektronik sind Ihrer Meinung nach in Europa gefragt und umgekehrt?
    Heute gibt es in den USA eine große Anzahl von Start-up Firmen im Bereich E-Mobilität, die verschiedene Lösungen zu unterschiedlichen Aspekten von Ladeinfrastruktur bis zum Antrieb im Fahrzeug entwickeln. Ein Teil dieser jungen Firmen wird direkt oder indirekt großen Einfluss auf die Mobilitätszukunft haben. Auch im Bereich Energiegewinnung z. B. durch Kernfusion gibt es interessante Ansätze, die mit sehr viel Venture-Capital ausgestattet sind. Im traditionellen Bereich der elektrischen Antriebe sind vor allem europäische Unternehmen oder einfach Überseestandorte amerikanischer Firmen den rein amerikanischen Unternehmen oft technologisch voraus, weil durch den starken Konkurrenzdruck technische Innovationen und laufende Verbesserungen notwendig waren, um am Markt langfristig zu bestehen.
  5. Was macht die USA als Industriepartner im Bereich Leistungselektronik besonders? Was ist für Sie der wichtigste Vorteil?
    Im Umfeld der sonstigen technischen Stärken gibt es immer wieder interessante technische Innovationen, die mittel- bis langfristig einen großen Einfluss auf Entwicklungen in der Leistungselektronik in anderen Ländern haben. Der Autobauer Tesla ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine amerikanische Firma ein ganzes Segment aufmischen kann. Noch vor zwei Jahren haben viele Marktbeobachter sich gefragt, ob Tesla das Model 3 jemals auf die Straße bring. Heute ist das Model 3 in seinem Segment absolut führend und jeder traditionelle Autobauer bemüht sich, dem etwas entgegenzusetzen.
  6. Wo liegen die Stärken des US-amerikanischen Marktes im Bereich der Leistungselektronik?
    Eine der großen Stärken des US-Marktes ist die Verknüpfung der Leistungselektronik mit anderen Disziplinen wie z.B. der Digitalisierung. Amerikanische Firmen haben schon über die digitale Anbindung der Leistungselektronik nachgedacht als das in anderen Märkten noch gar kein Thema war. Eines der prominentesten Beispiele dafür ist das selbstfahrende Auto. Erst durch die Initiativen von Google und Apple fingen die Autohersteller an, sich ernsthaft mit diesem Thema zu beschäftigen.

"Amerikanische Firmen haben schon über die digitale Anbindung der Leistungselektronik nachgedacht als das in anderen Märkten noch gar kein Thema war.“

Rainer Schröder

Tags

  • USA Special